Der „Rote Turm“ (Schießstattturm) in der Kapruner Generator Straße steht vor einer dringend notwendigen Restaurierung. Das markante Bauwerk, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1555 zurückreichen, ist nicht nur ein bedeutendes architektonisches Relikt, sondern auch ein unter Denkmalschutz stehendes kulturhistorisches Zeugnis der Stadtgeschichte.
Nachdem die alte Burg Oberradmannsdorf, gelegen im Nordwesten von Weiz, baufällig und immer wieder von Bränden heimgesucht wurde, erbaute Otto VI von Radmannsdorf zwischen 1555 und 1565 am Ostufer des Weizbaches eines der frühesten und schönsten Renaissanceschlösser der Steiermark. Im Zuge dessen werden auch die damals vier Ecktürme, das sogenannte Steinhaus sowie die bis zu 4 Meter hohe Ringmauer um den damaligen Schlossgarten erbaut worden sein. Übrig geblieben sind nur noch der Graue Turm und der Rote Turm mit Fragmenten der Schlossmauer. Auf alten Ansichten ist der Turm bereits 1582 zu sehen.

Später entwickelte er sich zu einem Treffpunkt des bürgerlichen Lebens: Der Schützenverein der Weizer*innen nutzte den Turm über lange Zeit als Vereinslokal und Schießstätte – eine Funktion, die sogar der vorbeiführenden Straße ihren ursprünglichen Namen „Schießstattgasse“ gab. Erst im Jahr 1964 wurde diese in Kapruner Generator Straße umbenannt. Eine umfassende Renovierung in den 1930er-Jahren brachte im Inneren des Turms bemerkenswerte Kunstwerke hervor: gut erhaltene Renaissancefresken, die der Jagdgöttin Diana gewidmet sind. Es befinden sich zudem zahlreiche Familienund Zunftwappen – Zeugnisse einer vergangenen Epoche und von historischem Wert. Diese Malereien gelten heute als das wertvollste Gut des Bauwerks.
Schwere bauliche Schäden festgestellt
Der aktuelle Zustand des Turms gibt jedoch Anlass zur Sorge. Fachleute haben erhebliche Schäden festgestellt, die eine rasche Sanierung unumgänglich machen. Besonders problematisch sind nicht tragfähige, spannungsreiche Anstriche, deren Schichten sich vom Untergrund zu lösen beginnen. Ursache dafür ist u. a. ein mangelndes Wasserdampfverhalten der verwendeten Materialien.
Hinzu kommen massive Feuchtigkeitsschäden, die auf unzureichende Abdichtungsmaßnahmen sowie eine fehlerhafte Wasserführung zurückzuführen sind. Infolgedessen sind auch Bewehrungseisen korrodiert, was wiederum schwere Betonschäden mit sich brachte. Der Putz ist in weiten Bereichen stark beschädigt – bedingt durch ungeeignete Putzaufbauten, eindringende Schadstoffe und Salzbelastung.

"Der Rote Turm ist weit mehr als nur ein Bauwerk – er ist ein Stück Identität unserer Stadt. In seinen Mauern spiegeln sich Jahrhunderte Weizer Geschichte und einzigartige Kunstschätze wie die Renaissancefresken. Es ist unsere Verantwortung, dieses wertvolle Erbe auch für kommende Generationen zu bewahren. Mit der Restaurierung setzen wir ein klares Zeichen für den sorgsamen Umgang mit unserer Vergangenheit und für die Zukunft unserer Stadt", so Bettina Bauernhofer, MSc - Bürgermeisterin der Stadt Weiz.
In Abstimmung mit Denkmalamt
Die Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt. Für die fachgerechte Restaurierung konnte mit Ing. Markus Schaunigg ein namhafter Restaurator gewonnen werden, der das Projekt begleiten wird. Ziel ist es, behutsam vorzugehen und die historische Substanz bestmöglich zu erhalten. Schon heuer werden erste Schritte gesetzt: Insbesondere die Freilegung der ursprünglichen Putz- und Farbschichten steht im Fokus. Dabei besteht auch die Möglichkeit, dass der Turm künftig wieder eine andere, historisch authentischere Farbgebung erhält. Die Abbrucharbeiten der beschädigten Putzflächen werden von den Gebäudeverantwortlichen selbst übernommen. Parallel dazu wird ein Konzept zur nachhaltigen Feuchtigkeitsregulierung entwickelt, um zukünftige Schäden zu vermeiden.
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Mehr Wissenswertes zum Roten Turm
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Einblick ins Innere des Roten Turmes
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